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Inkassodienstleister: Factoring und außergerichtliches Inkasso werden oft in denselben Topf gesteckt. Doch es gibt ein paar Unterschiede, die jeder Mittelständler kennen muss.
von Alfons Winhart | Vorstand PNO Inkasso
Sich an einen Inkassodienstleister zu wenden, ist für mittelständische Unternehmen ein effektives Mittel, um Außenstände schnell und erfolgreich einzufordern. Denn werden Rechnungen nicht bezahlt, verringert sich ihre Liquidität. Im schlimmsten Fall droht gar eine Insolvenz. Darum haben Inkassobüros eine große ökonomische Verantwortung: Sie sichern die Zahlungsfähigkeit des Mittelstandes und helfen Unternehmen, im harten Wettbewerb zu bestehen. Dabei ist Inkassounternehmen nicht gleich Inkassounternehmen. Man unterscheidet zwischen Factoring-Unternehmen und außergerichtlichem Inkasso mit möglichem gerichtlichen Mahnverfahren.
Factoring: schnelle Liquidität
Unter einem Forderungsankauf, dem sogenannten Factoring, versteht man den Ankauf offener Forderungen durch einen Factor, wie etwa Kredit- oder Finanzierungsinstitute. Damit verfügt der Mittelständler sofort über einen Betrag X, mit dem er seine Liquidität sichern kann. Die Provision beträgt in der Regel 2 % bis 3,5 % der Forderung und ist abhängig vom Risiko und dem Arbeitsaufwand des Factors. Daneben erheben Factoring-Unternehmen überlicherweise eine Pauschalgebühr für eine etwaige Bonitätsprüfung des Schuldners. Außerdem fallen Zinsen für den bereitgestellten Betrag an.
Inkasso: Mediator für offene Rechnungen
Vom Factoring unterscheidet man das außergerichtliche oder vorgerichtliche Inkasso, die Einziehung von Forderungen im Auftrag des Gläubigers. Die grundlegende Differenz zwischen Factoring und außergerichtlichem Inkasso besteht darin, dass Inkassounternehmen die Außenstände des mittelständischen Unternehmen nicht aufkaufen, sondern dass sie als Mediatoren offene Beträge im Auftrag des Gläubigers einzufordern versuchen. Weil beim außergerichtlichen Inkasso das Risiko, mit einem Mahnvorgang zu scheitern, beim Mandanten bleibt, kann das Inkassobüro flexibler agieren als ein Factor. Damit ist es möglich, sich im Einvernehmen mit Gläubiger und Schuldner auf einen Vergleich, auf eine Ratenzahlung oder auch auf einen Teil-Verzicht aufseiten des Gläubigers zu einigen. Doch: Bleibt eine Mahnung erfolglos, geht der Mittelständler leer aus. Dann ist ein gerichtliches Mahnverfahren oftmals die einzige Chance, um Außenstände doch noch erfolgreich einzufordern. In diesem Fall übernimmt das Inkassobüro die Einleitung und Betreuung des gerichtlichen Mahnverfahrens im Auftrag seines Mandanten. Es gibt Inkassounternehmen, die dafür keine Gebühr erheben. Der Mandant zahlt dann nur die Gerichtsgebühr für den Mahnbescheid.
Möglichkeiten, Außenstände einzufordern, gibt es viele. Für eine schnelle und unkomplizierte Finanzspritze sorgt das Factoring. Für Mittelständler, die nicht auf eine schnelle Verbesserung der Liquidität angewiesen sind, ist das außergerichtliche Inkasso eine effektive Alternative. Als Mediatoren realisieren deutsche Inkassounternehmen Forderungen in Höhe von rund 4 Mrd. Euro jährlich. Vor diesem Hintergrund spielen Inkasso-Dienstleister eine wichtige Rolle: Sie leisten einen wesentlichen Beitrag zur ökonomischen Stabilität der Volkswirtschaft.