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21.02.2012 – Der Markt ist in Bewegung wie nie zuvor

(März 2011 | WirtschaftsKurier)


Deutscher Factoring-Verband | Forderungsverkauf als sicherer Hafen für den Mittelstand

VON ALEXANDER MOSESCHUS *

Der deutsche Factoring-Markt befindet sich wieder im Aufwind. Gerade in den Zeiten nach der globalen Finanzkrise erweist sich die Unternehmensfinanzierung durch Forderungsverkauf als ein sicherer Hafen, besonders für dringend auf Liquidität angewiesene Unternehmen aus dem Mittelstand. Während im Jahr 2009 deutsche Unternehmen die Folgen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise deutlich spürten mit starken Einbrüchen im Bestandskundengeschäft und einem damit einhergehenden, erstmaligen Rückgang im Umsatzvolumen der Factoring-Branche, wird sich für 2010 wohl wieder ein Wachstum für das Gesamtjahr 2010 vermelden lassen.

Verwöhnt von Umsatzzuwächsen

Die offiziellen Detailzahlen zum Markt legt der Deutsche Factoring-Verband e.V., der die Interessen von 26 deutschen Factoring-Instituten und damit etwa 85 % des deutschen Factoring-Volumens vertritt, Mitte März auf seiner Bilanzpressekonferenz in Frankfurt/Main vor. Es deutet allerdings einiges darauf hin, dass die Factoring-Branche, die mit Ausnahme des Jahres 2009, des Jahres der Finanzkrise, stetig von Umsatzzuwächsen verwöhnt war, neuen Schwung erhalten hat. Schon das erste Halbjahr 2010 startete stark dynamisch.

Der Gesamtumsatz der Mitgliedsunternehmen des Verbands stieg alein für das erste Halbjahr 2010 auf bemerkenswerte 59,02 Mrd. Euro, ein deutliches Plus von knapp 38 % (im ersten Halbjahr 2009: 43,26 Mrd. Euro). Dieses starke Wachstum kann als Zeichen dafür gewertet werden, dass die Finanzkrise in weiten Teilen des Mittelstandes wohl überwunden werden konnte. Viele Hersteller und Lieferanten haben, wie schon seit Jahren nicht mehr, dick gefüllte Auftragsbücher. Auch in der Factoring-Branche machte sich dabei die besonders starke Nachfrage aus dem internationalen Geschäfts bemerkbar; für das erste Halbjahr 2010 wurde ein stolzer Anstieg im Export-Geschäft von knapp 3 Mrd Euro verzeichnet, der Umsatz stieg auf insgesamt über 13 Mrd. Euro an (2009: 10,75 Mrd Euro), ein Zuwachs um 28 % im Import-Geschäfts um 39 % auf 1,26 Mrd. Euro (2009: 0,91 Mrd. Euro).

Neukunden aus Krisenzeiten bleiben Factoring treu

Schon diese erfreulichen Zuwachszahlen des ersten Halbjahrs werden in der Branche als Beleg dafür gesehen, dass viele Neukunden, die in Zeiten der Finanzkrise Factoring kennen und schätzen gelernt haben, diese Finanzdienstleistung auch weiterhin als alternative Finanzierungsform nutzen. Die Vorteile des Factorings - unter anderem die 100%ige Delkredere-Absicherung, die sofortig nutzbare umsatzkongruente Finanzierung bei gleichzeitiger Verbesserung der Bilanzstruktur und damit mittelbarer Erhöhung der Eigenkapitalquite - mögen dabei in vielen Fällen mit vertragsentscheidend für Factoring-Neukunden gewesen sein. Factoring leistet dabei mit einer zwischenzeitlich erlangten Factoring-Quote von 4 % (2009) einen immer wichtigeren Beitrag zur Finanzierung des deutschen Mittelstands. Auch das Image des Factorings hat sich bei den Kunden aber auch Banken deutlich verbessert: Factoring nutzen zu können ist zwischenzeitlich zu einem Qualitätsmerkmal geworden.

Der Factoring-Markt ist in der jüngsten Zeit in Bewegung wie kaum jemals zuvor: Neue Anbieter haben sich entschieden, den deutschen Markt zu bedienen, sicherlich auch vor dem Hintergrund, dass die Wachstumspotenziale für Factoring überdurchschnittlich sein dürften. Andere, auch große Marktteilnehmer verschmolzen mit bereits bekannten Anbietern. Seit Ende 2008 sind Factoring-Unternehmen in Deutschland zudem der Finanzaufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) unterstellt, mit der Begründung des Gesetzgebers, dass der Forderungsverkauf bei der Finanzierung der Industrie und des Mittelstands inzwischen eine immer wichtigere Rolle spiele. Vor dem Hintergrund der damit einhergehenden eingeschränkten Finanzaufsicht nach Maßgabe des Kreditwesengesetzes (KWG) befindet sich die Branche vertikal andererseits in einer Konsolidierungsphase; gerade Kleinstunternehmen, die die schärfer werdenden Anforderungen nicht erfüllen können, ziehen sich aus dem Markt zurück. Diese Entwicklung ist aus Transparenzgründen auch für Factoring-Kunden sicherlich von Vorteil und wird mit dazu beitragen, dass die Dynamik des Forderungsankaufs im Jahr eins nach der Krise weiter anhalten dürfte. Factoring lässt somit auch für 2011 ein spannendes Geschäftsjahr erwarten!

* Alexander Moseschus ist Geschäftsführer des Deutschen Factoring-Verbands